Pergament ist die enthaarte und auf einem Spannrahmen getrocknete Haut von unterschiedlichen Tieren. Es unterscheidet sich vom Leder dadurch, dass es nicht gegerbt werden muss. Grundsätzlich ist es möglich, aus nahezu allen Tierhäuten Pergament zu fertigen, jedoch wurde Schreibpergament vor allem aus den Häuten von Schafen, Ziegen und Kälbern hergestellt. Am häufigsten war die Verwendung von Schafspergament. Das lag hauptsächlich daran, dass es so viele dieser Tiere gab. Viele Klöster hatten ihre eigene Herde, denn schließlich ist das Schaf das perfekte Nutztier: Anspruchslos in der Haltung liefert es Wolle, Milch, Fleisch, Felle, Leder und eben Pergament.
Aus der Haut von Ziegen lässt sich ein kräftiges Pergament mit einer ausgeprägten Oberflächenstruktur herstellen. Dies bestätigen auch unsere eigenen Erfahrungen, bei denen wir auf Mittelaltermärkten schönes, weißes Ziegenpergament gefertigt haben. Ziegen wurden jedoch damals nicht in dem Umfang wie Schafe gehalten, so dass hier nicht so viele Rohhäute anfielen.
Das beste Pergament ist aber ohne Zweifel aus der Haut von Kälbern herzustellen. Nahezu alle wertvollen Evangeliarien und Prachtbibeln, die aus dem Mittelalter erhalten sind, sind auf Kalbspergament geschrieben. Um es vom gewöhnlichen pergamentum zu unterscheiden, wurde es als vellum bezeichnet. Heute allerdings haben sich diese Begrifflichkeiten ein wenig vermischt, so dass im Deutschen nur das Wort Pergament verwendet wird, während in England der Begriff Vellum und in Frankreich der Begriff Vélin jedes weiße Pergament von guter Qualität bezeichnen. In England wurden auch Rindspergamente beschrieben, während Schweinspergament vor allem für die Herstellung von Bucheinbänden verwendet wurde, da es aufgrund seiner Grobporigkeit zum Beschreiben ungeeignet ist.
Viele Legenden ranken sich zudem um das sogenannte Jungfernpergament (lat. charta non nata, frz.velót). Dieses war so dünn wie Papier und wurde angeblich aus den Häuten zu früh geborener Kälber hergestellt. Auch glaubte man, dass hierfür Frühgeburten bei Kühen künstlich eingeleitet wurden. Neuere Forschungen haben aber ergeben, dass es sich beim Jungfernpergament um die Haut von sehr jungen oder totgeborenen Schafen oder Ziegen handelt. Die von uns hergestellten, sehr dünnen Pergamente aus Kaninchenhaut kommen dieser Sorte ziemlich nahe.
Eine heute recht beliebte Pergamentsorte ist das so genannte Antikpergament, das aus der Haut von totgeborenen oder verendeten Kälbern hergestellt wird. Weil im Gegensatz zu einem geschlachteten Tier das Blut nicht abfließen kann und in den Adern gerinnt, entsteht im Pergament eine adrige Struktur. Dieses netzartige Muster ist sehr beliebt für die Herstellung von Bucheinbänden oder für heraldische Darstellungen.
Leider kann man heute oft nicht mehr feststellen, von welchem Tier ein Pergament stammt, da zur Vorbereitung für die Beschriftung auch das Abschleifen der Haut mit einem Bimsstein gehörte. Dadurch wurde mit der Porenstruktur der einzige Hinweis auf die Herkunft einer Haut vernichtet.
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